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Ausbildung mit Abitur: statt Studium, vor dem Studium oder dual
Aktualisiert am 28.09.2026 · 5 Minuten Lesezeit
Nach dem Abitur gleich an die Uni? Viele entscheiden sich bewusst für eine Ausbildung, entweder statt eines Studiums oder als Start davor. Hier erfährst du, was dafür spricht, welche Berufe Abiturienten oft wählen und wie ein duales Studium funktioniert.
Warum eine Ausbildung nach dem Abi?
Ein Studium ist nicht der einzige Weg nach dem Abitur. Eine Ausbildung bringt dir Dinge, die ein Studium so nicht bietet: Du lernst direkt im Betrieb, verdienst vom ersten Monat an Geld und hast nach wenigen Jahren einen anerkannten Berufsabschluss.
- Praxis von Anfang an: Du siehst sofort, wofür du lernst.
- Eigenes Geld: Die Vergütung steigt mit jedem Ausbildungsjahr. Mehr dazu im Ratgeber Ausbildungsgehalt.
- Sicherheit: Mit dem Berufsabschluss in der Tasche kannst du später immer noch studieren, oft mit einem klareren Ziel.
- Karriere ohne Hörsaal: Mit Weiterbildungen wie Fachwirt oder Meister kommst du auch ohne Hochschule weit. Wer die Meisterprüfung im Handwerk bestanden hat, darf sich laut Handwerksordnung zusätzlich Bachelor Professional nennen.
Erst Ausbildung, dann Studium
Eine Ausbildung vor dem Studium lohnt sich besonders, wenn beides zusammenpasst. Wer nach einer kaufmännischen Ausbildung Betriebswirtschaft studiert oder nach einer Ausbildung im Labor Chemie, kennt die Praxis schon und weiß, wofür er lernt. Manche Betriebe unterstützen dich später sogar, wenn du neben dem Job studieren willst.
Berufe, in denen viele Abiturienten anfangen
Die Tabelle zeigt Ausbildungsberufe, in denen der Anteil der Azubis mit Abitur oder Fachabitur besonders hoch ist. Viele davon sind kaufmännische Berufe, Medienberufe, Laborberufe und IT.
| Beruf | Anteil | Dauer |
|---|---|---|
| Kaufmann für Marketingkommunikation | 78 % | 3 Jahre |
| Medienkaufmann Digital und Print | 78 % | 3 Jahre |
| Biologielaborant | 75 % | 3,5 Jahre |
| Mediengestalter Bild und Ton | 74 % | 3 Jahre |
| Buchhändler | 70 % | 3 Jahre |
| Veranstaltungskaufmann | 70 % | 3 Jahre |
| Fachinformatiker Fachrichtung Daten- und Prozessanalyse | 69 % | 3 Jahre |
| Immobilienkaufmann | 68 % | 3 Jahre |
| Sozialversicherungsfachangestellte allgemeine Krankenversicherung | 67 % | 3 Jahre |
| Fachangestellte Medien- und Informationsdienste Bibliothek | 66 % | 3 Jahre |
| Justizfachangestellter | 66 % | 3 Jahre |
| Chemielaborant | 65 % | 3,5 Jahre |
| Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement Fachrichtung Außenhandel | 64 % | 3 Jahre |
| Kaufmann für Digitalisierungsmanagement | 63 % | 3 Jahre |
| Mediengestalter Digital und Print Fachrichtung Digitalmedien | 62 % | 3 Jahre |
Nur Berufe mit mindestens 300 Ausbildungsanfängern im Jahr. Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Datensystem Auszubildende, über BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit.
Die Prozentzahl zeigt, welcher Anteil der Azubis in diesem Beruf mit Abitur oder Fachabitur angefangen hat.
Auch außerhalb dieser Liste bist du mit Abitur nicht allein. Als Bankkaufmann, Industriekaufmann oder Fachinformatiker haben die meisten Azubis Abitur. Und selbst im Handwerk, etwa als Tischler oder Zimmerer, fängt ein guter Teil mit Abi an.
Im Handel gibt es außerdem Programme, die Ausbildung und Aufstiegsfortbildung verbinden, zum Beispiel zum Handelsfachwirt. Am Ende hast du dann einen Ausbildungsabschluss und den Fachwirt.
Mit Abitur schneller fertig
Mit Abitur oder Fachhochschulreife kannst du deine Ausbildung verkürzen. Du und dein Betrieb stellt dafür gemeinsam einen Antrag bei der Kammer (§ 8 Berufsbildungsgesetz). Die Kammer kürzt, wenn zu erwarten ist, dass du das Ziel auch in kürzerer Zeit erreichst.
Zeigst du in der Ausbildung gute Leistungen, kannst du außerdem früher zur Abschlussprüfung zugelassen werden (§ 45 Berufsbildungsgesetz). Rechne aber nicht nur mit der Zeit: Eine verkürzte Ausbildung ist dichter, und bis zur Prüfung bleibt weniger Luft.
Duales Studium kurz erklärt
Im dualen Studium verbindest du ein Studium an einer Hochschule oder Berufsakademie mit Praxis in einem Unternehmen. Es gibt zwei Grundformen:
- Ausbildungsintegriert: Du machst neben dem Bachelor eine Ausbildung mit Abschluss vor der Kammer. Am Ende hast du zwei Abschlüsse.
- Praxisintegriert: Du studierst und arbeitest in längeren Praxisphasen im Unternehmen, aber ohne eigenen Berufsabschluss.
Ein duales Studium ist anspruchsvoll, weil Hochschule und Praxis eng getaktet sind und lange Semesterferien meist wegfallen. Dafür bekommst du in der Regel Geld vom Unternehmen. Viele Unternehmen vergeben die Plätze früh, oft lange vor dem Start. Informier dich deshalb rechtzeitig.
Lies den Vertrag vor dem Unterschreiben genau. Manche Unternehmen erwarten, dass du nach dem Studium eine Zeit lang bleibst, und regeln das im Vertrag. Frag nach, wenn dir etwas unklar ist.
Ausbildung oder Studium: so entscheidest du
Eine richtige Antwort für alle gibt es nicht. Diese Fragen helfen dir, deine eigene zu finden:
- Arbeitest du lieber praktisch, oder reizt dich viel Theorie?
- Wie wichtig ist es dir, schnell eigenes Geld zu verdienen?
- Gibt es für deinen Wunschjob einen Ausbildungsberuf, oder brauchst du dafür ein Studium?
- Traust du dir das hohe Tempo eines dualen Studiums zu?
Wenn du gern praktisch arbeitest und schnell Verantwortung übernehmen willst, passt oft die Ausbildung. Wenn dich Theorie reizt und du einen Bachelor willst, ist das duale Studium eine gute Wahl. Welche Berufe zu deinen Stärken passen, zeigt dir die Talentanalyse bei Jimmy.
Auch die Berufsberatung der Agentur für Arbeit hilft dir weiter. Sie berät nicht nur zur Ausbildung, sondern auch zu Studium und dualem Studium.
Ehrlich gesagt: das Abi allein reicht nicht
Mit Abitur hast du gute Karten, aber keine Garantie auf einen Ausbildungsplatz. Betriebe wollen auch bei Abiturienten sehen, dass der Beruf gewollt ist und nicht nur eine Warteschleife bis zum Studienplatz. Manche fragen direkt nach, ob du danach bleiben willst.
Sei ehrlich: Wenn du später studieren möchtest, sag das, und erklär, warum dir die Ausbildung trotzdem wichtig ist. Ein Praktikum im Beruf und klare Gründe überzeugen oft mehr als eine gute Abiturnote. Wann du dich für einen Start 2027 bewerben solltest, steht im Ratgeber Bewerbungsfristen 2027.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine Ausbildung mit Abitur?
Für viele ja. Du verdienst von Anfang an eigenes Geld, sammelst Praxis und hast nach der Ausbildung einen anerkannten Berufsabschluss. Ein Studium kannst du danach immer noch anschließen, oft mit einem klareren Ziel.
Kann ich die Ausbildung mit Abitur verkürzen?
Ja, auf gemeinsamen Antrag mit deinem Betrieb bei der Kammer. Nach der Empfehlung des BIBB-Hauptausschusses ist mit Abitur oder Fachhochschulreife eine Verkürzung um bis zu zwölf Monate möglich, wenn zu erwarten ist, dass du das Ziel trotzdem erreichst.
Was ist der Unterschied zwischen Ausbildung und dualem Studium?
In der Ausbildung lernst du im Betrieb und in der Berufsschule und legst die Prüfung vor der Kammer ab. Im dualen Studium studierst du an einer Hochschule oder Berufsakademie und arbeitest in Praxisphasen im Unternehmen. Am Ende steht ein Bachelor, beim ausbildungsintegrierten Modell zusätzlich ein Berufsabschluss.
Nehmen Betriebe gern Abiturienten?
In vielen Berufen ja, etwa im kaufmännischen Bereich, in der IT oder im Labor. Manche Betriebe fragen sich allerdings, ob du nach der Ausbildung zum Studium gehst. Sag ehrlich, was du vorhast, und zeig, dass dich der Beruf wirklich interessiert.
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