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Azubis finden: zehn Wege, die heute funktionieren
Aktualisiert am 28.09.2026 · 6 Minuten Lesezeit
Eine Stellenanzeige allein reicht oft nicht mehr. Wer heute Azubis finden will, muss dort auftauchen, wo Jugendliche sich umschauen, und es ihnen leicht machen, sich zu melden. Hier sind zehn Wege, die auch für kleine Betriebe funktionieren.
Warum Azubis finden heute anders läuft
Früher reichte eine Anzeige in der Zeitung. Heute suchen viele Betriebe gleichzeitig, und Jugendliche können wählen. Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) konnte fast jeder vierte Ausbildungsbetrieb im Ausbildungsjahr 2022/2023 nicht alle angebotenen Plätze besetzen.
Selbst auszubilden lohnt sich also, nur das Finden ist mühsamer geworden. Die gute Nachricht: Du musst nicht alle zehn Wege gehen. Zwei oder drei, die zu deinem Betrieb passen und die du dauerhaft pflegst, bringen mehr als zehn halbherzige.
Früh anfangen: Schulen, Praktika, Eltern
1. Kooperationen mit Schulen
In den letzten Schuljahren beschäftigen sich Jugendliche in der Schule mit der Berufswahl. Wer dann schon im Klassenzimmer war, hat einen Vorsprung. Biete einer Schule in deiner Nähe feste Praktikumsplätze, Betriebsbesuche oder ein Bewerbungstraining an. Wie das konkret geht, steht im Ratgeber Azubis über Schulen finden.
2. Praktika, die Lust machen
Ein gutes Praktikum ist die ehrlichste Werbung für deine Ausbildung. Jugendliche sehen den echten Alltag, und du siehst, wie jemand anpackt. Das BIBB beschreibt, dass Praktika Jugendliche an einen Betrieb binden können, und nennt sie als Mittel gegen spätere Vertragslösungen. Wichtig sind echte Aufgaben statt Zuschauen, ein fester Ansprechpartner und am Ende ein Gespräch über eine mögliche Ausbildung.
3. Eltern mit ins Boot holen
Bei der Berufswahl reden Eltern kräftig mit. Eine 2018 veröffentlichte BIBB-Befragung von Schülern zeigt, dass Jugendliche Berufe auch danach auswählen, wie ihr Umfeld sie sieht. Lade Eltern deshalb gezielt ein: zum Tag der offenen Tür, zum Abschluss eines Praktikums, zum Elternabend der Partnerschule. Erkläre dort, was man bei dir verdient und wie es nach der Ausbildung weitergeht.
Dein Team und dein Auftritt
4. Eigene Azubis als Botschafter
Niemand erklärt eine Ausbildung glaubwürdiger als jemand, der sie gerade macht. Auch das BIBB empfiehlt, Azubis als Botschafter in Schulen zu schicken. Lass deine Azubis in ihrer alten Schule, auf Messen oder in Videos erzählen, wie ihr Tag aussieht. Plane dafür Arbeitszeit ein und frag, wer Lust hat, statt jemanden zu verpflichten.
5. Social Media mit echten Einblicken
Jugendliche sind vor allem auf Instagram, TikTok und YouTube unterwegs. Dort kommen echte Einblicke meist besser an als Hochglanzvideos: die Werkstatt, das Team, der erste eigene Auftrag. Wie du das aufziehst und was beim Datenschutz gilt, liest du im Ratgeber Azubi-Marketing auf Social Media.
6. Karriereseite und schnelle Antwort
Wer sich für deinen Betrieb interessiert, landet früher oder später auf deiner Website. Eine eigene Seite zur Ausbildung mit Aufgaben, Vergütung, Ansprechpartner und einem einfachen Weg zur Bewerbung gehört dazu. Noch wichtiger ist Tempo: Antworte innerhalb weniger Tage, sonst hat der Bewerber vielleicht schon woanders zugesagt. Wie eine gute Anzeige aussieht, zeigt der Ratgeber Stellenanzeige für Azubis.
Klassische Wege, die weiter tragen
7. Ausbildungsmessen
Auf einer Messe triffst du an einem Tag viele Jugendliche, manche kommen mit ihren Eltern. Das lohnt sich, wenn du mehr bietest als Flyer: Lass deine Azubis erzählen, bring etwas zum Ausprobieren mit und notiere Kontaktdaten nur mit Einverständnis. Entscheidend ist die Woche danach: Melde dich bei allen, mit denen du gesprochen hast.
8. Jobsuche der Agentur für Arbeit
Melde deine Ausbildungsstelle bei der Agentur für Arbeit. Sie erscheint dann in der Jobsuche (früher Jobbörse), und die Berufsberatung kann sie Jugendlichen vorschlagen. Beratung und Vermittlung kosten dich nichts (§ 42 SGB III). Der Arbeitgeber-Service kennt außerdem die Förderangebote, und in der Bewerberbörse kannst du selbst nach Profilen suchen.
Neue Zielgruppen und neue Wege
9. Einstiegsqualifizierung
Nicht jeder Bewerber ist sofort bereit für eine Ausbildung. Bei einer Einstiegsqualifizierung (EQ) lernt ihr euch in einem Langzeitpraktikum von 4 bis 12 Monaten kennen. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter zahlt einen Zuschuss zur Vergütung und eine Pauschale zur Sozialversicherung, die aktuelle Höhe nennt dir der Arbeitgeber-Service. Läuft es gut, kann sich die anschließende Ausbildung verkürzen.
10. Plattformen wie Jimmy
Für viele Schüler ist schon das Anschreiben eine Hürde. Bei Jimmy stellen sie sich deshalb in einem kurzen Chat-Interview vor, auf Wunsch ergänzt um eine Talentanalyse. Du siehst Wunschberuf, Region und Interessen, bei einer Talentanalyse auch Stärken und Werte, und schickst passenden Schülern eine Anfrage. Was das für dich bedeutet und wo die Grenzen liegen, steht im Ratgeber Bewerbung ohne Lebenslauf.
Wo du anfangen solltest
Nicht jeder Weg passt zu jedem Betrieb. Ein Handwerksbetrieb auf dem Land gewinnt über die Schule im Ort und Praktika oft mehr als über eine Messe in der Großstadt. Ein Betrieb mit vielen Azubis kann dagegen eine Karriereseite und Social Media dauerhaft bespielen. Mit diesen Punkten machst du wenig falsch:
- Eine Schule in der Nähe ansprechen und feste Praktikumsplätze anbieten.
- Die Ausbildung auf der eigenen Website mit Vergütung und Ansprechpartner beschreiben.
- Bewerbungen ohne Anschreiben annehmen, auch per Telefon oder Nachricht.
- Auf jede Anfrage innerhalb weniger Tage antworten.
- Die Stelle kostenlos bei der Agentur für Arbeit melden.
- Die eigenen Azubis fragen, wer von ihnen erzählen möchte.
Du bildest zum ersten Mal aus? Klär vorher mit deiner Kammer, ob dein Betrieb ausbilden darf. Was dafür nötig ist, erklärt der Ratgeber Ausbildungsbetrieb werden. Was ein Azubi kostet und was er bringt, rechnest du im Ratgeber Was kostet ein Azubi? durch. Und damit dein neuer Azubi bleibt, lies Ausbildungsabbruch vermeiden.
Häufige Fragen
Wann sollte ich mit der Suche nach Azubis anfangen?
Rund ein Jahr vor dem Ausbildungsstart. Die Agentur für Arbeit rät Schülern, sich in der Regel ab dem Jahreszeugnis der vorletzten Klasse zu bewerben. Deine Stelle sollte dann schon ausgeschrieben sein.
Kostet es etwas, eine Ausbildungsstelle bei der Agentur für Arbeit zu melden?
Nein. Die Agentur für Arbeit berät und vermittelt unentgeltlich (§ 42 SGB III). Du kannst die Stelle online melden oder dich an den Arbeitgeber-Service wenden.
Lohnt sich eine Ausbildungsmesse für einen kleinen Betrieb?
Wenn du mit Azubis am Stand stehst und dich nach der Messe schnell meldest, kann sie sich lohnen. Für kleine Betriebe bringt eine feste Partnerschule in der Nähe aber oft mehr, weil die Jugendlichen dort aus deiner Region kommen.
Brauchen Azubis einen bestimmten Schulabschluss?
Rechtlich ist für eine duale Ausbildung kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, du entscheidest selbst, was du erwartest. Wer noch Unterstützung braucht, kann mit einer Einstiegsqualifizierung starten. Während der Ausbildung hilft die Assistierte Ausbildung der Agentur für Arbeit.
Azubis finden ohne Stellenanzeige
Bei Jimmy stellen sich Schüler mit einem kurzen Profil vor, ohne Anschreiben und Lebenslauf. Du siehst, wer zu deinem Betrieb passt, und fragst direkt an.
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